Sessionsstück 2004
Ein echter Moliére in Aachener Mundart
"Aber Hallo, mein lieber Autor, gehen Sie da nicht einen Schritt zu weit?"
Diese Frage hielt den heute 57 jährigen Spielleiter Bernd Dreyer nicht davon ab, bereits
im Jahre 1999 den Grundstein zu einer Inszenierung zu legen, die im Jahre 2004 realisiert
wird. Befragt, warum er das Wagnis eingeht, einen Klassiker für ein Mundarttheater
vorzubereiten, erklärt er: "Als ich Moliéres Geschichte vom "Geizigen"
las, war ich fasziniert. Zunächst von der Person des geizigen Harpagon, seiner stets
wechselnden Launen, seiner gierigen Sucht nach Geld und Geltung. Aber auch der Wortwitz,
die Lebendigkeit der Sprache und Redewendungen reizten mich, dieses Werk für die Aachener
Mundart und damit auch für das Aachener Heimattheater einzurichten!" Hinzu kamen die
herrlichen Typen, die im Besitztum des vermeintlich Armen reichen, ihre Dienste verrichten
müssen. Nach den ersten 30 Drehbuchseiten wanderte das Konzept zunächst einmal in eine
der vielen unbenutzen Dateien des Computers und wurden unter dem Stichwort:
Geizig abgespeichert. Meine Computerkenntnisse, die 1999 den Wissensstand
eines "I-Köttels der 1. Klasse entsprachen, hatten es aber geschafft, den
"Geizigen" bis im Jahre 2003 im Speicher zu konservieren. Beim Abruf der Dateien
störte er zwar immer und wäre beinahe aus lauter Frust schon gelöscht worden, wäre da
nicht die verzweifelte Suche nach einem neuen Bühnenstück gewesen. Ria Hyrenbach, die
seit einigen Jahren meine Co-Pilotin im Sachen Spielleitung beim Aachener Heimattheater
ist, wurde als erste mit den Auswüchsen meiner klassischen Ambitionen überschüttet. Ich
war dann aber ganz erstaunt, als sie mir sagte, so was könne man auf die Bühne bringen.
Ich solle nur mal ruhig "dat Ding" zu Ende schreiben. Ich war so erfreut und
überrascht, dass ich nach Hause eilte, den Computer anwarf, direkt zwanzig neue Seiten
schrieb, um dann beim Abspeichern den unwiderruflichen Fehler machte, die falsche Taste
auf dem Compi zu drücken. 120 Seiten waren da für die Katz. Auch mein Sohn, der mir in
Sachen Computer meilenweit und unerreichbar fern voraus ist, verkündete, das ich diese
Speicherung sehr gründlich und nach allen Regeln eines Computer-Fach-Mannes hervorragend
und auszeichnungswürdig gelöscht habe. Jedoch mit Hilfe des Heiligen Antonius, gelang es
mir anhand von handschriftlichen Aufzeichnungen, einen Großteil des gelöschten
Manuskripts wiederherzustellen. Zwecks sprachlicher Reinigung übergab ich das Werk an
Ria, die auch noch ihre Ideen und Wortverbesserungen einfliessen liess, damit wir dann
endlich ein bühnentaugliches Drehbuch für die erste Probe vorlegen konnten. Und nun geht
es los. Moliére a la Öcher Platt. Versteht sich von selbst, dass der Harpagon in Öcher
Platt den Namen Anton hat. Der Kalfaktor Valère, wurde kurzum in Vinzens umbenannt und
die vielgeliebte Mariane in "Mariechen" umgetauft. Im übrigen geht es ziemlich
sparsam um in der neuen Inszenierung: Nur ein Bühnenbild, eine Pause, (in der das Licht
auf Sparflamme gefahren wird). Aus Kostengründen wird die Putzfrau Billa die Begrüssung
der Gäste vornehmen. Der Koch wird gleichzeitig als Kutscher fungieren, kurzum gegeizt
und gespart wird in der gesamten Inszenierung. Eine Hoffnung hegt das Ensemble insgesamt:
"Wir hoffen dass unser Publikum am Ende des Stückes nicht mit Applaus geizt!" |