Sessionsstück 2008
Schwank in Aachener Mundart
Bürgermeister Allewiss Backes ist verzweifelt, als ihm zugetragen wird,
dass seine Tochter ein Verhältnis mit dem Sohn seines Erzfeindes Tüen Bürschgens
hat.
Die Feindschaft beruht zum einen darauf, dass Bürschgens ein echter
Burtscheider ist. Man muss wissen, dass Burtscheid und Aachen sich
genau so lieben, wie Köln und Düsseldorf. Dem aber noch nicht genug.
Der alte Bürschgens hat auch ein anderes Parteibuch als Aachens
Stadtoberhaupt und "sägt" deshalb stets am
Bürgermeisterstuhl, mit dem Ziel diesen selbst einmal zu besteigen.
Der Streit macht deshalb auch vor Generationen keinen Halt. Und so sind
die Visionen, die sich Backes wegen der angekündigten Eheschließung macht
allerschrecklichster Natur. Wie sollen bloß die armen Kinder aussehen,
die einmal einer solchen Partnerschaft entstammen werden?
"Dicke Knollen-Nase, Glatze, Bierbauch und Plattfüße" orakelt der
stark genervte Allewiss. "Ach hätte ich statt einer Tochter doch nur einen Sohn, dann
wäre mir so etwas Schreckliches erspart geblieben!"
Diese eher vorwurfsvollen Worte, werden im Himmel missverstanden und als
Wunsch ausgelegt. Denn nur kurze Zeit später erscheint im Hause Backes
ein junger Mann, der von sich behauptet, des Bürgermeisters echter Sohn zu
sein.
Die Freude über den unerwarteten Familienzuwachs bleibt jedoch aus,
weil sich herausstellt, dass der frischgebackene Sohn aus einer
ehemaligen Liebschaft - in Aachen "Fisternöllche" genannt - hervorgegangen sein soll.
Für Bürgermeister Backes steht fest: "Weder Ehefrau, Parteifreunde noch
Aachener Bürger dürfen etwas von der Existenz des unwillkommenen
Nachwuchses erfahren!"
Noch während der verzweifele Allewiss an einem Plan herumbastelt taucht
eine neue Gewitterwolke auf. Der junge Heimkehrer will an einer
Ratsversammlung im Weißen Saal des Aachener Rathauses teilnehmen, um
dort vor dem versammelten Stadtrat seine Freude über den wieder
gefundenen Vater zu verkünden.
In letzter Sekunde glaubt der geplagte Bürgermeister eine Lösung
gefunden zu haben.
Pitt Kappes, Ratsherr, Bauer aus Seffent und bester Freund des Hauses
soll die Unglückslawine aufhalten. Als Lockmittel für eine delikate
Aufgabe, werden ihm Geld und jede Menge Schabau versprochen.
Da er von letzterem jede Menge in sich hineinschüttet, geht der Schuss
nach inten los und im Hause des Aachener Bürgermeisters bricht das
blanke Chaos aus.
Die gesamte Mannschaft der Aachener Feuerwehr sucht nach einer Bombe.
Als dann noch des Bürgermeisters Ehefrau Zeugin einer wilden Umarmung
ihres Mannes mit der Vorsitzenden des Jungfrauenvereins wird, der aber
hingegen lieber seinen Ratsherrn umarmt, scheint eine Explosion
unausweichlich. Oder?
Wollen auch Sie Zeuge dieses herrlich komischen Familiendramas sein,
ein paar Stunden Alltagsstress vergessen und erfahren ob im Rathaus
eine Bombe platzt?
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